"Podium"-Erfolgsgeschichte geht auch 2010 weiter

Brenner: 14 Siegerprojekte erhalten zwischen 2.000 und 14.000 Euro für die Realisierung innovativer Kulturprojekte

(LK) "Die Erfolgsgeschichte der neuen Kulturförderschiene ‘Podium‘ geht auch 2010 weiter. Zwar gab es im Vergleich zum Rekordjahr 2009 einen Rückgang bei der Anzahl der eingereichten Projekte, nicht jedoch bei der Qualität; ganz im Gegenteil", so Kulturreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. David Brenner heute, Donnerstag, 28. Oktober, bei einem Informationsgespräch, bei dem die Siegerprojekte vorgestellt wurden.

"Im Jahr 2008 haben wir uns mit der neuen Förderschiene ‘Podium‘ erstmals auf eine Entdeckungsreise gemacht, um innovative kulturelle Ausdrucksformen einer neuen Generation ausfindig zu machen. Wir suchen dabei Kulturprojekte, die sich vorhandenen Schemata und Sparten-Vorgaben entziehen, neue Räume definieren und deshalb bisher nicht auf dem Radar der Kulturförderung aufschienen. Von Anfang an war ‘Podium‘ aus kulturpolitischer Sicht ein Riesenerfolg mit einer Rekordzahl an Einreichungen und überaus spannenden Projekten, die mit Hilfe des zur Verfügung gestellten Topfs von 100.000 Euro realisiert werden können", erinnerte Brenner.

Jury wählte 14 aus 65 eingereichten Projekten aus

65 Projekte wurden heuer für "Podium" eingereicht. Damit zeigen sich auch im dritten Jahr die große Bedeutung und der Bedarf für diese neue Förderschiene. "Die hohe Zahl an Einreichungen spiegelt die Lebendigkeit und Vielschichtigkeit der Salzburger Kulturlandschaft wider. Es gibt sie in Salzburg, diese neuen kulturellen Ausdrucksformen und diese Kunst einer neuen Generation. Und wir wollen ihr mehr Raum geben", erklärte Kulturreferent David Brenner.

Umsetzung im März 2011

Die Jury hat sich heuer dazu entschlossen, gleich 14 unterschiedliche Projekte (2009: acht Projekte) aufs Siegertreppchen zu hieven und mit Fördersummen zwischen 2.000 und 14.000 Euro zu unterstützen. Das sind fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr und ein starkes Zeichen der Qualität und Vielseitigkeit der Einreichungen. Die Projekte sollen zeitlich konzentriert im März 2011 umgesetzt werden.

Breite Palette an künstlerischen Ausdrucksformen

Mit der Auswahl der Siegerprojekte zeigt sich Brenner hochzufrieden. "Die Palette der ausgewählten Siegerprojekte ist sehr abwechslungsreich. Es wurden auch heuer wieder ausgesprochen innovative und moderne Projektansätze gefunden, die einmal mehr unter Beweis stellen, dass es in Salzburg ein enormes Potenzial gibt für neue, kreative Zugänge zu Kunst und Kultur und das Verlassen bekannter künstlerischer Pfade. Darüber hinaus werden hochaktuelle, auch handfeste gesellschaftspolitische Fragen mit künstlerischen Mitteln aufgeworfen und zur Diskussion gestellt", sagte Brenner.

So findet sich unter den prämierten Projekten unter anderem:

- Ein gemeinsames Theaterprojekt von Hörenden und Gehörlosen präsentiert Hildegard Starlinger. Gezeigt wird das Stück "König Ödipus" nach Sophokles. Dabei wird z.B. der Chor mit gehörlosen Darsteller/innen besetzt, weil "das Gestische eine größere Intensität beim Ausdruck des Leides erreicht, als das gesprochene oder gesungene Wort", wie es in der Projektbeschreibung heißt. "Der Fokus liegt damit erfreulicherweise nicht auf einer ‘Beeinträchtigung‘ nach dem Motto ‘lassen wir sie halt mitspielen‘, sondern auf der Betonung einer speziellen Fähigkeit, nämlich der Gebärde. ‘Inklusion statt Integration‘ dürfte hier also das passende, besonders aktuelle Motto sein", erläuterte Brenner.

- Ein mehrstufiges Projekt präsentiert Bernhard Gwiggner unter dem Titel "Politisch verfemt/political correct. Ein Prolog". Darin geht es um die theoretische wie praktische Auseinandersetzung mit Relikten und Artefakten des Nationalsozialismus im Stadtraum Salzburg. Kunst wird in diesem Projekt konsequent als politische Kunst verstanden. Besonders interessant an diesem Ansatz ist die Tatsache, dass nicht nur das konkrete Ergebnis der künstlerischen Aktionen/Prozesse/Experimente im öffentlichen Raum sichtbar wird. Es werden örtlich ungebundene, variable "Displays" auf Fahrradanhängern den öffentlichen Raum mit den konkreten Ergebnissen des künstlerischen Handelns "konfrontieren". Darüber hinaus wird es aber auch Transparenz beim Erarbeiten der theoretischen Voraussetzungen geben. Vortragsreihen und Lehrveranstaltungen zu den Themen Kunst, Philosophie und Geschichte stehen gleichberechtigt im Zentrum der Aktion. "Besonders gefällt mir hier die Einbindung bzw. Kooperation mit der Paris-Lodron-Universität und der Universität Mozarteum. Theorie, Praxis, und Diskurs werden beispielhaft miteinander verbunden", ergänzte Kulturreferent David Brenner.

- Spannende, temporäre Interventionen im öffentlichen Raum sind auch vom "Tape Art"-Projekt des neuen Gollinger Kulturzentrums "F.A.R.M. (Free Arts Regional Movement)" zu erwarten. Anders als bei Graffiti greifen "Tape-Art"-Künstler nicht zur Spraydose, sondern zum Klebeband. Heraus kommen beeindruckende, zum Teil dreidimensionale (oder dreidimensional wirkende) Kunstwerke auf Gehsteigen, Straßen und Fassaden. "Diese neue Kunstform – man könnte auch sagen eine Art ‘Graffiti 2.0‘ erobert gerade Weltstädte wie New York, London und Berlin. In Golling wird nun, nach einem Workshop mit bereits renommierten und anerkannten ‘Tape Art‘-Künstlern ebenfalls eine solche ‘Intervention‘ im öffentlichen Raum entstehen."

- Einen überaus originellen, neuartigen Ansatz wählten auch Judith Pfeifer, Sophie Reyer, Jörg Zemmler und Thomas Ballhausen mit ihrem Projekt "Automatenliteratur". Statt der oft eher unbefriedigenden fotografischen Momentaufnahmen eines Passbild-Automaten soll die "Automatenliteratur" ein kurzes literarisches Portrait derjenigen liefern, die sich ein paar Minuten Zeit nehmen und in diesen Literatur-Automaten steigen. "Über die konkrete Umsetzung dieser – vor allem auch zeitlich sehr ambitionierten – Vorgabe lassen uns die Projekteinreicher noch im Dunkeln, umso gespannter dürfen wir wohl sein", so Brenner.

Auch Jury angetan von Qualität der eingereichten Arbeiten

Auch die diesjährige Jury, bestehend aus Tina Leisch (laut Eigendefinition "Film-, Text- und Theaterarbeiterin", Mitbegründerin des Volxtheaters Favoriten, Wien), Martin Sturm (Direktor des O.K Centrums für Gegenwartskunst Oberösterreich, Linz) und Didi Neidhart (Musiker und Musikjournalist, Leiter der Servicestelle Salzburg von mica music austria, dem österreichischen Musikinformationszentrum in Salzburg) zeigte sich angetan, wie Jury-Sprecher Neidhart unterstreicht: "Wir waren als Jury sehr erfreut über die stellenweise sehr hohe Qualität der eingereichten Projekte. Sowohl in ästhetischer wie in konzeptuell-diskursiver Sicht. Daher war der Auswahlprozess bei einigen Projekten nicht so schwierig, bei anderen wurde eben heftig diskutiert. Aber das ist ja auch Sinn und Zweck einer Jury. Die Bandbreite reicht dabei von eher spielerisch angelegten Projekten bis hin zu hoch komplexen Auseinandersetzungen mit gesellschaftspolitischen Themen anhand zeitgenössischer experimenteller und innovativer Kunstpraxen."

14 Projekte stehen für die Innovationsidee von ‘Podium‘

Kulturreferent David Brenner: "Die Jury ist völlig frei in ihren Entscheidungen und hat sich heuer dafür entschieden, 14 Projekte auszuwählen, die exemplarisch für die Innovationsidee hinter ‘Podium `10‘ stehen. Es hätten auch 30 Projekte sein können oder, wie im Vorjahr, acht Projekte oder auch nur fünf. Entscheidend ist, dass mit der finanziellen Unterstützung von ‘Podium‘ die Projekte zu realisieren sind. Und ebenso entscheidend ist, dass die Projekte folgende Mindestanforderungen erfüllen: Sie müssen künstlerisch, öffentlich, aktuell und zukunftsweisend, unkonventionell und neu sein. Und sie sollen neue Räume erschließen, physisch und/oder theoretisch-abstrakt."

"Ich danke der Jury für ihre gewiss nicht einfache Auswahlarbeit und bin überzeugt davon, dass uns unter der ‘Dachmarke Podium‘ im März wieder eine Reihe höchst reizvoller Kulturprojekte erwartet", schloss Brenner.

Die vierzehn Siegerprojekte__


Das Leben meines Computers

Stefan Baumgartner
Förderung: € 3.000

[impro]jekt: unaufhaltsam in der schwebe
Teresa Leonhardmair
Förderung: € 2.000

horst.maria: ich packe meine koffer
Christiane Peschek und Markus Blaha
Förderung: € 13.000

Living (in a) magazine
MARK Verein Jugend in Salzburg
Mariam Lempert
Förderung: € 10.000

König Ödipus nach Sophokles
Starlinger Hildegard
Förderung: € 10.000

Politisch verfemt/political correct. Ein Prolog
Bernhard Gwiggner
Förderung:€ 7.000

My identity is open
Georg Pircher Verdorfer
Förderung: € 3.000

Grand Hotel Itzling. Broadway Itzling
ohnetitel – Netzwerk für Theater und Kunstprojekte
Förderung: € 14.000

Rosidant: Trauma in Rosa – or: How to become a real woman?
Laura Nöbauer
Förderung: € 4.000

Coming of
Marlies Pöschl
Förderung: € 10.000

Automatenliteratur
Judith Pfeifer
Förderung: € 3.000

Tape Art Projekt
Die F.A.R.M. / Martin Dietrich
Förderung: € 8.000

Medicine Mountain - Learn to Love in Seven Days
Atelier Kozek Hörlonski (Peter Kozek, Ruby Sircar, Thomas Hörl, Wolfgang Meisinger)
Förderung: € 10.000

Forumtheater Dalli-Dalli Schweiß-Fabrik
Beate Wernegger / Verein Salzburg - Kommunikation & Kultur
Förderung: € 3.000